Inhaltszusammenfassung:
Die vorgelegte Promotion befasste sich mit der Untersuchung der Stärke von Signalen
unerwünschter Arzneimittelwirkungen, die mit der Anwendung von Antihypertensiva in
Verbindung stehen und deren Bedeutung für das Risikoprofil der einzelnen
Antihypertensiva mittels Daten der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) aus dem
Spontanmelderegister EudraVigilance. Die Daten wurden entsprechend der MedDRATerms aufbereitet und die Detektion der Signale erfolgte mittels der Proportional
Reporting Ratio (PRR), hierbei wurde ein Cut-Off von PRR > 3 und PRR – 1.96SE > 1
mit mindestens vier Meldungen gewählt. Die Beurteilung der so gefundenen Signale
erfolgte anschließend mittels Einteilung in Schweregrade entsprechend der Common
Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) in die Kategorien 1 (mild) bis 5
(tödlich). Danach wurden die Signale anhand der Zusammenhangsstärke in
Kategorien von Unwahrscheinlich bis Wahrscheinlich kategorisiert, hierbei orientierte
man sich anhand des Liverpool ADR Causality Assessment Tools und der WHO-UMCCausality Categories. Im Anschluss wurden Untergruppen mit besonderem Risiko für
Signale im Allgemeinen, sowie bei den Signalen Untergruppen mit erhöhter
Zusammenhangsstärke, schwerem Outcome und erhöhtem Schweregrad abhängig
von den Parametern Alter, Geschlecht und Körpergewicht mittels Chi-Quadrat-Tests
und relativem Risiko ermittelt. Nach Fokussierung auf Signale mit erhöhtem
Schweregrad und hoher Zusammenhangsstärke ergaben sich 19 besonders starke
Signale, deren Entstehungsmechanismen vorwiegend bekannt war. Bei vier dieser
Signale konnte kein eindeutiger Literaturnachweis erfolgen, jedoch wurden mögliche
Kausalitäten in Form ihrer pharmakologischen Eigenschaften erläutert, soweit dies im
Rahmen dieser Arbeit möglich war. Im Endeffekt bleibt festzuhalten, dass die
Verbindungen Aliskiren - Ventrikuläre Hypertrophie, Valsartan – Koronare
Herzerkrankung, Bisoprolol – Long-QT-Syndrom und Spironolacton – Anämie in
weiteren Arbeiten genauer untersucht werden sollten. Besonders die Verbindung
zwischen Aliskiren und dem Auftreten einer ventrikulären Hypertrophie ist in dem
Zusammenhang interessant, da es, auch wenn es sich hier immer noch um sehr kleine
Zahlen handelt, sich in dieser Arbeit um eine häufige Nebenwirkung mit einem starken
Signal handelte. Es wurden jedoch nicht nur einzelne Wirkstoff-Nebenwirkungs-
Verbindungen untersucht, sondern auch allgemeine Trends bezüglich der Einflüsse
auf und von den Medikamentengruppen. So sollten Ärzte bei hämatologischen
Nebenwirkungen, bzw. bereits bekannten hämatologischen Erkrankungen bei
Diuretika-Gabe vorsichtig sein. Dasselbe gilt für schwere kardiologische
Erkrankungen/Nebenwirkungen unter Betablocker- bzw. CalciumantagonistenTherapie. Gerade der Zusammenhang zwischen hohem Alter und dem vermehrten
Auftreten von Nebenwirkungen konnte bestätigt werden, sowie der Trend, dass ältere
Menschen schwerwiegendere Nebenwirkungen erleiden. Ein Zusammenhang
zwischen Geschlecht und dem vermehrten Auftreten von Nebenwirkungen wurde in
dieser Arbeit nicht gefunden, jedoch wurde die Tendenz detektiert, dass bei Männern
eher schwerwiegende Nebenwirkung gemeldet werden als bei Frauen. Bezüglich des
Gewichts ist es noch erwähnenswert, dass ein höheres Gewicht mit häufigerem
Auftreten von Nebenwirkungen assoziiert ist. Alles in allem sollen die hier gefundenen
Implikationen einen Anstoß für genauere, auch klinische, Forschung geben und so den
bereits vorhandenen wissenschaftlichen Stand verbessern.