Häufigkeitsverteilung und Zeitpunkt des Auftretens einer Hashimoto-Thyreoiditis bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/176446
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1764463
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-117771
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-03-09
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Schweizer, Roland (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-02-12
Freie Schlagwörter: Hashimoto-Thyreoditis
Diabetes mellitus Typ 1
Screening
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund/Ziele: Kinder und Jugendliche mit T1D weisen ein erhöhtes Risiko für weitere Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis auf, weshalb aktuell durch die jeweilige Leitlinie der ADA, IPSAD und DDG ein regelmäßiges Screening auf Hashimoto-Thyreoiditis empfohlen wird. Die vorliegende Promotionsarbeit untersucht, zu welchem Zeitpunkt schilddrüsenspezifische Antikörper (Tg-AK und TPO-AK) auftreten und wie sich diese im Verlauf verhalten. Zudem wird untersucht, wann eine Hormonersatztherapie notwendig wird. Ziel ist es, das Screening zu optimieren, um eine wirtschaftlich sinnvolle und patientenschonende Strategie zu entwickeln. Bisher gibt es keine klare Evidenz, in welchem zeitlichen Abstand das Screening sinnvoll ist. Studien zeigen, dass ca. ein Viertel der Kinder und Jugendlichen mit T1D schilddrüsenspezifische Antikörper aufweisen. Internationale Leitlinien empfehlen Screenings in Intervallen von ein bis zwei Jahren, abhängig von Risikofaktoren. Methoden: Die Promotionsarbeit ist eine retrospektive Analyse von 304 Patienten über einen Zeitraum von 22 Jahren der kinderdiabetologischen Ambulanz der Universitätsklinik Tübingen, die ab 1998 behandelt wurden. Es wurden lediglich Patienten mit Typ-1-Diabetes eingeschlossen, andere Diabetesformen wie MODY, T2D und andere Diabetesvarianten wurden nicht berücksichtigt. Die erhobenen Daten umfassen unter anderem Schilddrüsensyntheseparameter (TSH, fT4/fT3) und schilddrüsenspezifische Antikörper (TPO-AK und Tg-AK). Eine Subgruppe von Kindern und Jugendlichen mit T1D und zusätzlicher Hashimoto-Thyreoiditis wurde anhand schilddrüsenspezifischer Antikörper (TPO-AK und/oder Tg-AK) und sonographischer Befunde identifiziert. Die Daten wurden aus den Patientenakten erhoben und mit Microsoft Excel statistisch ausgewertet. Ergebnisse: Von den 304 Kindern und Jugendlichen mit T1D wurden bei 97 Patienten (32 %) TPO-AK und bei 57 Patienten (19 %) Tg-AK nachgewiesen. Bei 49 Kindern (16 %) waren beide Antikörper positiv. Bei 45 Kindern und Jugendlichen (15 %) wurde eine zusätzliche Hashimoto-Thyreoiditis festgestellt (42 % männlich, 58 % weiblich). Die Diagnose einer Hashimoto-Thyreoiditis wurde im Median mit 10,5 Jahren (N=45, IQR: 7,87 – 13,35) gestellt. Bei Patienten mit HT wurden TPO-AK im Median 0,92 Jahre (N=44, IQR: 0 – 3,47) und Tg-AK 1 Jahr (N=37, IQR: 0 – 4,18) nach Diabetesmanifestation nachgewiesen. Der späteste erstmalige Nachweis von schilddrüsenspezifischen Antikörpern erfolgte bis zu 12 Jahre nach Manifestation. Bei Patienten ohne HT wurden TPO-AK im Median 4,75 Jahre (N=53, IQR: 0,21 – 8,67) und Tg-AK 2,42 Jahre (N=20, IQR: 1,07 – 6,73) nach Diabetesmanifestation positiv nachgewiesen. Drei Kinder und Jugendliche hatten bereits vor Diabetesmanifestation einen Nachweis schilddrüsenspezifischer Antikörper, frühestens 4,6 Jahre vor Diabetesmanifestation. Die TPO-Antikörper-Titer bei Kindern und Jugendlichen mit Hashimoto-Thyreoiditis variierten stark, wobei Kinder und Jugendliche mit initial hohen Titerwerten auch über die folgenden Jahre hohe Titer aufwiesen. Die Tg-AK-Titer zeigten keine klare Tendenz und variierten individuell ebenfalls stark. Hypothetische Screeningszenarien mittels TSH-Messungen mit zweijährigem und dreijährigem Abstand führten zu einem späteren Nachweis pathologisch erhöhter TSH-Werte. Bei einem hypothetischen zweijährigen Screening wurde ein Verzug bei 6 (25%) Kinder um 1 Jahr festgestellt, bei einem hypothetischen dreijährigen Screening kam es bei 13 (52%) Kinder zu einem verzögerten Feststellen eines pathologisch erhöhten TSH-Wertes um 2 Jahre. Diskussion/Schlussfolgerung: Es konnte bestätigt werden, dass die Hashimoto- Thyreoiditis die häufigste autoimmune Komorbidität bei Kindern und Jugendlichen mit T1D ist. Schilddrüsenspezifische Antikörper werden häufig direkt bei oder kurz nach der Diabetesmanifestation nachgewiesen. Kinder mit Typ-1-Diabetes und Hashimoto-Thyreoiditis sind meist älter als 6 Jahre. Ein einmalig erhöhter TSH-Wert normalisiert sich in mehr als 50% der Fälle wieder. Für ein regelmäßiges Screening auf schilddrüsenspezifische Antikörper konnte kein zusätzlicher Nutzen nachgewiesen werden; der TSH-Wert ist therapeutisch entscheidend. Ein jährliches Screening sollte durchgeführt werden, um Verzögerungen bei der Therapieeinleitung zu vermeiden.

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