Inhaltszusammenfassung:
Die vorliegende Studie untersuchte den Einfluss der Vertrautheit mit dem Kontext
auf die Enkodierung neuer Lerninhalte. Das klassische Konzept der
Kontextabhängigkeit des Gedächtnisses postuliert, dass gelernte Informationen
besser abrufbar sind, wenn der Kontext des Gedächtnistests mit dem der
Lernsituation übereinstimmt. In einer Vorläuferstudie wurde untersucht, ob derartige
Effekte auch das wiederholte Lernen neuer Inhalte über Kontexte hinweg betreffen.
Konsistent mit dem klassischen Konzept ergab sich, dass Probanden in zwei
aufeinanderfolgenden Sitzungen eine bessere Lernleistung in der zweiten Sitzung
erbrachten, wenn der Kontext über die beiden Lernsitzungen gleichblieb, was darauf
hindeutet, dass Kontextwechsel die Enkodierung neuer Inhalte negativ beeinflussen
könnten. Das hier beschriebene Experiment zielte darauf ab, den Einfluss der
Vertrautheit mit dem Kontext zu untersuchen. Dazu lernten die Probanden in
aufeinander folgenden Sitzungen entweder in dem jeweils selben oder in zwei
unterschiedlichen Kontexten Wortpaare, wobei sie auch im Fall eines
Kontextwechsels zwischen den beiden Lernsitzungen vor der zweiten Lernsitzung
mit dem neuen Kontext vertrautgemacht wurden. Dieser Versuchsaufbau
ermöglichte es, den Effekt der Vertrautheit mit dem Kontext vom Einfluss des
Kontextwechsels zu trennen.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Vertrautmachung mit dem Kontext den in
Vorläuferstudien beobachteten abträglichen Effekt eines Kontextwechsels eliminiert.
Es gab keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen den beiden
Kontextbedingungen, was darauf hindeutet, dass die Vertrautheit mit dem Kontext
entscheidend für die Gedächtnisleistung ist. Diese Befunde legen nahe, dass der
positive Effekt der Konstanthaltung des Kontexts möglicherweise weniger mit der
klassischen Kontextabhängigkeit als vielmehr mit der Vertrautheit der Umgebung zusammenhängt. Die Studie liefert neue Erkenntnisse darüber, wie Vertrautheit und
Kontextwechsel die Enkodierung neuer Inhalte beeinflussen, und bietet eine
Grundlage für zukünftige Studien, die untersuchen sollten, inwieweit Vertrautheit mit
einem Kontext Gedächtnisprozesse unterstützt und wie sich dies auf langfristige
Lernstrategien übertragen lässt.