Ereigniskorrelierte Potentiale im EEG und Aktivitätsmuster in der NIRS bei bewusster Verzögerung von einfachen motorischen Reaktionen: Untersuchung an Gesunden.

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URI: http://hdl.handle.net/10900/176126
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1761265
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1761265
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-117451
Dokumentart: PhDThesis
Date: 2026-02-26
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Fallgatter, Andreas J. (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2026-02-02
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Other Keywords: Ereigniskorrelierte Potentiale
Visuell Evozierte Potentiale
funktionelle Nahinfrarotspektroskopie
Verzögerungsbedingung
LRPr
sLRP
ERP
VEP
NIRS
Delayed-Go Paradigm
Event related potential
License: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die vorliegende Studie vergleicht Merkmale ereigniskorrelierter Potenziale (ERP), lateralisierter Bereitschaftspotenziale (LRP) und Aktivierungsmuster in der funktionellen Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) zwischen einer Anstrengungsbedingung (AC) und einer bewussten Verzögerung (Delayed-Go- Paradigma, MC). Die 47 gesunden Probanden im Alter zwischen 19 und 49 Jahren erhielten hierzu visuelle Wechselreize (Musterumkehr), die Antwort erfolgte vom Probanden in Form einer einfachen motorischen Reaktion. Die Ergebnisse der Reaktionszeiten zeigten sich konsistent zur Literatur (Spence et al., 2001, Tu et al., 2009), sie waren in Mittel in der MC mit 958 ms signifikant länger als in der AC mit 248 ms. Bei den ERP und sLRP (stimulusgetriggerte LRP) stellt sich in der AC frontal eine ausgeprägte späte Positivierung bei 500 – 600 ms dar (P3-Komponente), welche in der MC signifikant abflacht. Dabei wurden auch in früheren Studien mit einem Go-Nogo-Paradigma teilweise signifikant höhere (Fallgatter and Strik, 1999, Lehmann, 1987, Roberts et al., 1994, Pfefferbaum et al., 1985, Schupp et al., 1994, Simson et al., 1977), ebenso wie signifikant niedrigere Amplituden (Kok, 2001, Polich and Kok, 1995, Goodin et al., 1983, Grillon et al., 1990) im Latenzbereich dieser P3-Komponente gefunden, und jeweils als Ausdruck höherer kognitiver Kapazitätsanforderungen gewertet. Eine mögliche vermehrte frühe frontale Negativierung in der MC im Latenzbereich der N1-Komponente, wie in früheren Nogo-Studien beschrieben (Bokura et al., 2001, Eimer, 1993, Falkenstein et al., 1999, Kok, 1997, Pfefferbaum et al., 1985), fand sich im aktuellen Delayed-Go-Setting als Tendenz, nicht jedoch in signifikanter Ausprägung. Zentral und parietal stellt sich eine Abflachung der Amplituden aller Komponenten in der MC im Vergleich zur AC dar. Dabei ist die N3-Komponente um 600 ms beinahe ausschließlich in der AC zu identifizieren. Die Auswertung zeigte außerdem eine fast ubiquitär nachweisbare Amplitudenreduktion in der MC im Vergleich zur AC mit der stärksten Ausprägung bei den Amplituden P1- N2, N2-P2 und P2-N3 in den frontalen Ableitungen. Diese frontale Differenz ist dabei als Ausdruck der Handlungsplanung und Handlungsbahnung zu werten (Zickerick et al., 2021). In der fNIRS und fMRT hatten vorangegangene Untersuchungen zur Antwortinhibition eine vermehrte rechtshemisphärische Aktivierung über dem dorsolateralen präfrontalen Kortex (DLPFC) gezeigt (Herrmann et al., 2005, Boecker et al., 2007, Miller and Cohen, 2001, Garavan et al., 1999, Liddle et al., 2001). Unter Anwendung des Delayed-Go-Paradigmas in der fNIRS fand sich in den eigenen Untersuchungen aber kein signifikanter Unterschied zwischen den Bedingungen. Ein Nachweis bewusster Antwortverzögerung ist unimodal mittels fNIRS insofern nicht möglich. Zusammenfassend sind in den ERP und LRP signifikante Musteränderungen zu identifizieren, die für das Probandenkollektiv eine Anstrengung von einer bewussten Antwortverzögerung unterscheiden können. Eine Aussage über die zugrundeliegende Motivation, die zu einer Verzögerung von Antwortreaktionen führt, ist dabei naturgemäß nicht möglich. Für die fNIRS konnten im Delayed-Go- Paradigma keine signifikanten Unterschiede zwischen den Bedingungen nachgewiesen werden. Anhand der hohen Amplituden der späten Potenzialkomponenten ist es also möglich, die unter Anstrengung auftretenden neurokognitiven Prozesse zu erfassen und damit die Anstrengung positiv zu belegen. Ein Rückschluss auf die Validität der Reaktionszeiten eines Einzelprobanden ist allerdings bisher nicht möglich. Die Entwicklung eines objektiven Messinstrumentes für die Anstrengungsbereitschaft wird Aufgabe künftiger Studien sein, wobei die Amplitudenhöhe entweder absolut festgelegt werden könnte oder aber relativ im Vergleich zu den unter AC und MC nicht unterschiedlichen frühen Potenzialkomponenten. Auch könnten hier durch Maschinelles Lernen unterstützte Auswertungsstudien weitere Vorteile bringen. Zur Aufklärung der intrinsischen Motivation sind ebenfalls weitere Studien sinnvoll, beispielsweise unter Einbezug von Probanden, die in einem entschädigungsrelevanten Kontext untersucht werden.

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