Inhaltszusammenfassung:
Die vorliegende Arbeit basiert auf der retro- sowie prospektiven Analyse von 53
pädiatrischen Patienten mit Pankreastumoren, die zwischen 2008 und 2023 im
STEP-Register (Seltene Tumorerkrankungen in der Pädiatrie) aus Deutschland,
Österreich und der Schweiz erfasst wurden. Behandlungsdaten wurden syste
matisch durch Erhebungsbögen und Patientenakten gesammelt und ausgewer
tet. Einbezogen wurden Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19 Jahren
mit neu diagnostizierten pankreatischen Neoplasien, ausgenommen neuroen
dokrine Tumoren. Die Analyse umfasste unter anderem anamnestische Daten,
diagnostische Verfahren, Therapieansätze, pathologische Befunde sowie Out
comes.
Die Ergebnisse zeigen, dass pädiatrische Pankreastumoren hauptsächlich So
lide-pseudopapilläre Neoplasien (SPN, n=38), Pankreatoblastome (PB, n=8) und
Azinuszellkarzinome (AZK, n=6) umfassen (n=1 undifferenziertes Adenokarzi
nom). PB treten in dieser Kohorte häufiger bei Jungen und SPN bei Mädchen
auf. Die Diagnosestellung von SPN und AZK erfolgt typischerweise im fortge
schrittenen Jugendalter, während PB häufig im frühen Kindesalter diagnostiziert
werden. Klinisch stehen unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen, Übel
keit, Erbrechen und in einigen Fällen auch der Ikterus im Vordergrund, letzteres
insbesondere bei PB und AZK-Patienten dieser Kohorte in fortgeschrittenem Sta
dium. Fernmetastasen traten bei den SPN als low-grade maligne Tumoren nicht
auf. Im Gegensatz dazu wiesen PB und AZK ein höheres Potenzial zur Metasta
sierung auf, insbesondere PB mit Lymphknoten- und Leber-Metastasen. Die Di
agnosestellung basiert auf Laboruntersuchungen wie AFP und Lipase sowie bild
gebenden Verfahren wie Sonographie und MRT, die entscheidend für die Detek
tion und Charakterisierung der Tumoren sind. Besonders bei nicht eindeutiger
Bildmorphologie können Biopsien eine wichtige Rolle zur Diagnosestellung und
passenden Therapie-/Resektionsplanung einnehmen. Auch wenn solche Probe
entnahmen in dieser Kohorte komplikationslos durchgeführt werden konnten und
keine Stichkanalmetastasen erfasst wurden, muss die Indikation individuell dis
kutiert werden.
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Die SPN der Kohorte ließen sich histopathologisch durch solide und pseudopa
pilläre Anteile und eine niedrige Proliferationsrate sowie immunhistochemisch
durch Marker wie CD10 und Beta-Catenin gut von den anderen Entitäten abgren
zen. Histopathologisch sowie immunhistochemisch präsentieren sich die PB und
AZK in der Analyse der Kohorte ähnlich; PB scheinen immunhistochemisch eher
durch Synaptophysin, AZK eher durch Trypsin und Chymotrypsin charakterisiert
zu werden. Die Proliferationsrate war bei PB signifikant höher als bei SPN und
AZK. Im Rahmen zukünftiger molekulargenetischer Analysen beider Tumorenti
täten könnten sich weitere Differenzierungsmerkmale ergeben. Molekulargene
tisch zeigt die Auswertung unter den SPN häufig Mutationen im CTNNB1-Gen,
was zu einer Blockierung des Abbaus von Beta-Catenin führt, und den Wnt-Sig
nalweg aktiviert.
Therapeutisch liegt das Ziel auf der vollständigen Entfernung des Tumors. Aus
maß und Technik der Resektion werden durch die Lokalisation und Größe des
Tumors bestimmt. Chemotherapeutisch kamen adjuvant als auch neoadjuvant
unter anderem PLADO (Cisplatin/Doxorubicin) und ICE (Ifosfamid, Cis-/Car
boplatin, Etoposid) sowie FOLFOX zum Einsatz. Gezielte Therapieansätze auf
Basis molekularer Diagnostik wurden nicht verwendet.
Die Prognose zeigt sich unter den SPN am besten (100%) und unter den PB am
schlechtesten (25% verstorben, weitere 25% mit Rezidiv), wobei eine langfristige
Nachsorge bei allen Entitäten notwendig ist, um auch späte Rezidive zu detek
tieren.
Schlussfolgernd kann die umfassende klinische und pathologische Charakteri
sierung der verschiedenen Pankreastumoren bei Kindern und Jugendlichen im
Rahmen dieser Arbeit kann einen wichtigen Beitrag zur besseren Differenzierung
der Tumorentitäten liefern. Auch kann ein Beitrag zur Therapieoptimierung durch
Vergleich der Therapieschemata sowie der Nachsorge gegeben werden.