Inhaltszusammenfassung:
Hintergrund: Das Prostatakarzinom (PCa) stellt die häufigste maligne Erkrankung des Mannes dar; wobei die Prävalenz mit zunehmendem Alter ansteigt. Den Goldstandard der Diagnose stellt die Prostatabiopsie dar. Für diese stehen zwei verschiedene Zugangswege, die ultraschallgesteuerte Biopsieart sowie, nach zuvor durchgeführter mpMRT, die fusionierte Biopsie zur Verfügung.
Zielsetzung: Vorliegende Arbeit zur Forschungsfrage der Eignung der Zugangswege (transperineal, transrektal) und Biopsiearten (US-gesteuert, MRT/US-fusioniert) zur Detektion eines PCa soll einen Beitrag zur Erweiterung des Kenntnisstandes in diesem Fachbereich erbringen. Insbesondere inter-essiert, ob und inwieweit bestimmte Biopsiemodi Unterschiede hinsichtlich der Detektionsrate oder dem Auftreten von Komplikationen aufweisen.
Methoden: Die retrospektiven Analysen der Datenlage aus dem Beobachtungszeitraum 2018 bis 2020 dieser monozentrischen Studie mit 1168 Patienten repräsentieren eine Statuserhebung. Das mediane Alter der Patienten zum Zeitpunkt der Biopsie betrug 68,5 (min 39,8 – max 90,4) Jahre; aufgrund der beiden Zugangswege und der zwei Biopsiearten konnte die Kombination der 2 x 2 Biopsiemodi untersucht werden. Als abhängige Variablen wurden das Vorliegen eines PCa sowie sämtliche vorliegende präbioptische Werte (PI-RADS; PSA) und postbioptische Werte erfasst und analysiert.
Ergebnisse: Die Detektionsraten für PCa lagen bei der transperinealen MRT/US-Fusionsbiopsie bei 35,1 %, gefolgt von der transrektalen US-gesteuerten Biopsie mit 32,7 %, der transrektalen Fusionsbiopsie mit 28,3 % und der transperinealen Saturationsbiopsie mit 25,3 %, ein signifikanter Unterschied zeigte sich nur zwischen der transperinealen Fusionsbiopsie und der transperinealen Saturationsbiopsie. Die Fusionsbiopsie zeigte mit 28,6 % eine höhere Detektionsrate als die Standardbiopsie (14,3 %) bei kleinem Effekt (r = 0,07). Beim Vergleich der Zugangswege (transrektal: 21,4 % vs. transperineal: 28,6 %) ergab sich kein signifikanter Unterschied. In der Zone PZpm wurde bei suspekten Läsionen in der mpMRT in Fusionsbiopsien PCa häufiger (86,7 %) als in Standardbiopsien (76,9 %) nachgewiesen. Die multivariate Analyse identifizierte die PI-RADS-Klassifikation und den Prostatavolumenquotienten als signifikante Prädiktoren für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms, während der PSA-Wert solitär keine ausreichende Prognosekraft besaß. Die PI-RADS-Klassifikation zeigte mit zunehmendem Scorewert eine steigende Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms. Die Komplikationsrate bei den Biopsien betrug insgesamt 6,3 %, wobei der transperineale Zugang mit einem gering höheren Auftreten von Komplikationen wie Harnverhalt und Hämatomen verbunden war. Die Mehrheit der Komplikationen konnte ambulant behandelt werden. Hinsichtlich der diagnostischen Übereinstimmung zeigten die ISUP-Gruppeneinteilungen der Biopsien moderate Übereinstimmungen mit den Befunden der Prostatektomie.
Conclusio: Die transperineale Fusionsbiopsie weist im Vergleich mit den anderen untersuchten Biopsiemodi eine geringfügig höhere Detektionsrate für PCa auf, während Fusionsbiopsien insgesamt insbesondere im Bereich der Zone PZpm eine höhere Detektionsrate als Standardbiopsien aufweisen. Die Komplikationsrate des transperinealen Zugangswegs fällt im Vergleich mit den anderen untersuchten Biopsiemodi minimal höher aus, wobei die Rate der stationär behandlungsbedürftigen Komplikationen nicht erhöht ist.