Einfluss von individueller Anatomie, Genetik und Anpassung eines Cochlea Implantats auf das Hörergebnis von Patienten mit Innenohrschwerhörigkeit

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URI: http://hdl.handle.net/10900/142518
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1425188
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-83865
Dokumentart: Dissertation
Date: 2023-06-22
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Löwenheim, Hubert (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2022-12-12
License: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

In dieser Studie sollte die Frage behandelt werden, ob die Länge der Cochlea über die Bestimmung des A-Werts zuverlässig abgeschätzt werden kann. Darüber hinaus wurden die im Rahmen der Arbeit bestimmten anatomischen Parameter mit audiologischen Ergebnissen nach Cochlea Implantat Versorgung korreliert. Es wurden 532 Cochleae von 266 Patienten anhand von CT- und MRT-Bildern des Felsenbeins untersucht und die anatomischen Daten wurden mit genetischen und audiologischen Daten korreliert. Es wurden der A-Wert (Range: 7,36 mm – 9,86 mm; MW ± SD: 8,75 mm ± 0,42 mm), der B-Wert (Range: 4,85 mm – 7,35 mm. MW ± SD: 6,19 mm ± 0,41 mm), die Gesamtlänge der knöchernen lateralen Wand der Cochlea (CDL-LW; Range: 25,0 mm – 42,9 mm; MW ± SD: 35,15 mm ± 2,48 mm) und die Länge der ersten beiden Windungen entlang der lateralen Wand der Cochlea (2TL; Range: 23,5 mm – 36,1 mm; MW ± SD: 30,84 mm ± 1,83 mm), sowie die Anzahl der Windungen gemessen. Berechnungen der Cochlealänge nach Escudé et al., Alexiades et al. und Schurzig et al. legten nahe, dass sich mithilfe der basalen Durchmesser A und B die Gesamtlänge der Cochlea gut abschätzen lässt. Insbesondere der A-Wert ist gut als prädiktiver Parameter geeignet (Alexiades et al., 2015; Escude et al., 2006; Schurzig et al., 2018). Die Verlässlichkeit der gemessenen Werte stellte sich intrapersonell als sehr gut heraus, Abweichungen der Methodik führen jedoch zu Unterschieden der Messergebnisse, weshalb die Vergleichbarkeit mit anderen Studien nur bedingt gegeben ist. Bei den untersuchten Patienten kamen insgesamt 13 verschiedene Elektrodenträger von vier verschiedenen Herstellern (MED-EL, Cochlear, Advanced Bionics, Neurelec) zum Einsatz. Die relative Abdeckung der Cochlealänge durch die Länge des Elektrodenträgers war uneinheitlich (Range: 46,91 % - 112,00 %, MW ± SD: 76,31 % ± 12,66 %). Der Mittelwert für die Abdeckung der Länge der Cochlea steht in Übereinstimmung mit aktuellen Empfehlungen. Die hohe Variabilität der Abdeckung steht in Zusammenhang mit der im Erhebungszeitraum vor Durchführung dieser Studie fehlenden Kenntnis der Länge der Cochlea. Auch die genetischen Hintergründe der Schwerhörigkeit wurden, soweit bekannt, erfasst. Dabei wurden 46 verschiedene als ursächlich eingestufte Gene gefunden. Die fünf häufigsten waren hierbei GJB2, SLC26A4, MYO7A, MYO15A und LOXHD1. Die Ergebnisse im Freiburger Sprachtest (Einsilber, 65 dB Sprachpegel) wurden einzeln für jedes mit einem CI versorgte Ohr erfasst und wiesen eine große Heterogenität auf (Spannweite: 0 % - 95 %, MW: 33,81 % ± 27,92 %). Es konnte weder ein Zusammenhang des Ergebnisses der Cochlea Implantat Versorgung mit der Anatomie noch mit der Genetik oder der Abdeckung der Cochlea erkannt werden. Dies weist darauf hin, dass der Hörerfolg mit einem CI von vielen Faktoren abhängt, die komplex zusammenhängen. Lediglich eine sehr hohe Abdeckung, also eine sehr tiefe Insertion des Elektrodenträgers, ging mit schlechteren Sprachverständnis-Ergebnissen einher. Dies beruht vermutlich auf Mechanismen wie der Verletzung von Strukturen im Innenohr oder dem Abknicken des Elektrodenträgers, welche mit zunehmender Insertionstiefe wahrscheinlicher werden (Adunka et al., 2005). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bestimmung des A-Werts geeignet ist, die Länge der Cochlea abzuschätzen und damit die Länge der Cochlea Implantat Elektrode individuell auszuwählen. Eine zu tiefe Insertion des Elektrodenträgers sollte vermieden werden, um unterdurchschnittliche Hörergebnisse nach der Implantation zu vermeiden. Um die Einflussfaktoren auf den Hörerfolg mit einem CI besser zu verstehen sind weitere Untersuchungen nötig.

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