Der Einfluss von Östradiol auf das Annäherungs- und Vermeidungsverhalten von Frauen

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URI: http://hdl.handle.net/10900/128592
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1285921
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-69955
Dokumentart: Dissertation
Date: 2022-06-28
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Derntl, Birgit (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-06-16
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Other Keywords: Östradiol
Annäherungs- und Vermeidungsverhalten
Schwangerschaft
Estradiol
Approach and avoidance behavior
Pregnancy
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Inhaltszusammenfassung:

Unter dem Begriff Sexualität wird ein individuell unterschiedlich erlebtes und über die reine Fortpflanzung hinausgehendes Grundbedürfnis des Menschen mit großer Relevanz für die allgemeine Lebensqualität sowie die Zufriedenheit innerhalb einer Partnerschaft verstanden. In bisherigen Studien gaben viele schwangere Frauen eine subjektive Abnahme verschiedener Aspekte der Sexualität an, wobei die Ursachen bisher wenig untersucht wurden. Menstruationszyklus-Studien konnten in zeitlicher Nähe der Ovulation einen Anstieg verschiedener Aspekte der Sexualität nachweisen, wobei ein besonderer Einfluss des mittzyklisch erhöhten Sexualhormons Östradiol vermutet wurde, was jedoch bislang nicht eindeutig bestätigt werden konnte. Um ein umfassenderes Bild der weiblichen Sexualität zu erhalten, wurde daher in dieser Studie der Einfluss unterschiedlicher Östradiol-Konzentrationen auf das Annäherungsund Vermeidungsverhalten in Reaktion auf erotische, positive und aversive Bilder von Paaren anhand von folgenden drei Gruppen untersucht: Schwangeren-Gruppe (im zweiten und dritten Trimester) mit supraphysiologischer Östradiol-Konzentration, Östradiol- Gruppe mit präovulatorischer Konzentration durch Gabe von Östradiolvalerat und Placebo-Gruppe mit frühfollikulär niedriger Östradiol-Konzentration. Neben der subjektiven Angabe zur Sexualfunktion mittels Fragebogen wurde in dieser Studie der Approach-Avoidance Task (AAT) genutzt, um automatische Verhaltenstendenzen messbar zu machen: Anhand der Schnelligkeit der Drück- und Zieh-Bewegung eines Joysticks konnten Rückschlüsse auf das Annäherungs-/Vermeidungsverhalten gezogen werden. Auf die erotischen und positiven Stimuli sollte mit einer schnelleren Ziehbewegung (im Sinne einer Annäherung) und auf die aversiven Stimuli mit einer schnelleren Drückbewegung (im Sinne einer Vermeidung) reagiert werden. Im anschließend durchgeführten Rating Task (RT) sollten die Probandinnen die Attraktivität des Mannes auf den gleichen Stimuli sowie die Annäherung an diesen Mann bewerten. Die Datenauswertung zeigte, dass sich die drei Gruppen signifikant in ihrem Östradiolspiegel unterschieden, mit den höchsten Werten in der Schwangeren-Gruppe. Hinsichtlich sexueller Annäherung zeigt sich allerdings kein signifikanter Gruppenunterschied im impliziten AAT. Im expliziten RT bewertete die Östradiol-Gruppe die erotischen Bilder entgegen der Erwartung signifikant niedriger als die Placebo-Gruppe, es zeigte sich aber kein signifikanter Unterschied in der Bewertung zur Schwangeren-Gruppe. Ebenso konnte mittels Fragebogen kein signifikanter Unterschied bezüglich der Sexualfunktion sowie der Parameter Lust und Erregung zwischen Schwangeren und Nicht-Schwangeren festgestellt werden. Die Schwangeren gaben sogar eine signifikant höhere Zufriedenheit mit der eigenen Sexualität im Vergleich zur Östradiol-Gruppe an. Somit zeigen die aktuellen Daten keine Verringerung im Annäherungsverhalten auf erotische Stimuli bei schwangeren Frauen, was im Gegensatz zu vielen anderen Studienergebnissen steht. Entgegen unserer Annahmen bewerteten schwangere Frauen die eigene Sexualfunktion auch nicht als eingeschränkt und erzielten sogar die höchsten Werte hinsichtlich Zufriedenheit mit der eigenen Sexualität. Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass das Studiendesign (Computeraufgaben; experimentelle Östradiol-Erhöhung) funktioniert hat, wobei die Rolle des Östradiol nach wie vor unklar bleibt, da hier keine eindeutigen Ergebnisse aufgezeigt werden konnten. Dies müsste im Rahmen von weiterführenden Studien nochmals genauer untersucht werden.

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