Einfluss der Händigkeit und Lateralität von motorischen Symptomen auf klinische Parameter des idiopathischen Parkinsonsyndroms

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URI: http://hdl.handle.net/10900/126521
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1265213
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-67884
Dokumentart: PhDThesis
Date: 2022-05-04
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Maetzler, Walter (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-12-22
License: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Das idiopathische Parkinsonsyndrom (IPS) ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, deren Prävalenz mit zunehmendem Alter ansteigt. Kardinalsymptome des IPS sind die motorischen Symptome Rigor, Tremor, Bradykinese, zudem spielt die posturale Instabilität eine wichtige Rolle. Hinzu kommen sehr häufig nicht-motorische Beschwerden, unter anderem neuropsychiatrische Symptome, Schlafstörungen, autonome Störungen und sensorische Störungen. Bisher sind die genauen Ursachen, die zur Krankheitsentstehung beitragen, noch nicht genau geklärt. Neben genetischen Faktoren vermutet man bisher multifaktorielle Auslöser. Allen Entstehungstheorien ist gemeinsam, dass es im Verlauf zu einem Untergang dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra pars compacta und im Striatum kommt. Hierbei treten erst Symptome auf, wenn 50-60% der dopaminergen Zellen untergegangen sind. Charakteristisch für das IPS ist die Lateralität der motorischen Symptome. Im Verlauf greifen die Symptome zwar auf die Gegenseite über, jedoch sind sie auf der initial aufgetretenen Seite fast immer über den Verlauf der Erkrankung ausgeprägter. Eine mögliche Korrelation zwischen der Händigkeit und der Motor-Symptom-Lateralität wurde ebenfalls in jüngsten Studien diskutiert. Zum einen wurde die Hypothese formuliert, dass die linke Gehirnhälfte ein größeres Kompensationsvermögen als die Gegenseite aufweist. Als Grund für diese ungleiche Verteilung der dopaminergen Zellen wurde die komplexere, ausgeprägtere neuronale Vernetzung der linken Hemisphäre benannt, die in den meisten Fällen auch für die Sprache und Händigkeit verantwortlich ist. Konträr zu dieser Hypothese wurde vermutet, dass sich eine rechtsbetonte Motor-Symptom-Lateralität prognostisch ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. EEG-Untersuchungen zeigten, dass die Bewegungsabläufe bei Patienten mit linksseitiger Motor-Symptom-Lateralität weniger angegriffen sind als bei rechtsseitiger Motor-Symptom-Lateralität. Zusätzlich zeigte sich in Studien, die die Krankheitsdauer untersuchten, dass Patienten, die schon seit 20 Jahren mit der Erkrankung lebten, häufig eine linksdominante Symptom-Lateralität aufwiesen. In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss der Motor-Symptom-Lateralität und Händigkeit auf klinische Parameter der Parkinson-Erkrankung untersucht. Es wurden zwei Hypothesen untersucht. Zum einen, dass die Symptome auf der korrespondierenden Seite im MDS-UPDRS III und im Pegboard stärker ausgeprägt sind als auf der nicht betroffenen Seite. Zum anderen, dass bei rechtsseitiger Symptom-Lateralität die Gesamthöhe der Symptomschwere niedriger ist als bei linksseitiger Motor-Symptom-Lateralität. Als Untersuchungsmethoden wurden der MDS-UPDRS III und das Pegboard ausgewählt. In der Auswertung waren die MDS-UPDRS III Werte bei rechtsbetonter bzw. linksbetonter Symptom-Lateralität auf der stärkeren betroffenen Seite entsprechend signifikant höher als auf der weniger betroffenen Seite. Der Betrag zwischen der rechten und linken Hand unterschied sich innerhalb der IPS-Gruppen mit linker oder rechter Motor-Symptom-Lateralität nicht signifikant. Bei den Untersuchungen mit dem Pegboard waren IPS-Patienten mit einer rechtsdominanten Motor-Symptom-Lateralität signifikant langsamer als jene, die eine linksbetonte Motor-Symptom-Lateralität besaßen. Jedoch konnte kein signifikanter Unterschied zwischen IPS-Patienten mit linksseitiger Motor- Symptom-Lateralität und IPS-Patienten, die weniger linksseitige Symptomausprägungen besaßen (in unserer Studie IPS-Patienten mit rechtsseitiger Motor-Symptom-Lateralität), verzeichnet werden. Dies bekräftigt die Hypothese, dass bei IPS-Patienten mit linksseitiger Motor-Symptom-Lateralität die neuronalen Bewegungsschleifen intakter sind als bei IPS-Patienten mit rechtsseitiger Motor-Symptom-Lateralität. Man könnte den Schluss ziehen, dass die linke, dominante Gehirnhälfte aufgrund ihres ausgeprägten und komplexen neuronalen Netzwerks anfälliger für die pathopysiologischen Prozesse des IPS im Vergleich zur Gegenseite ist. Zukünftige Studien sollten darauf abzielen,ob die Vulnerabilität der linken Gehirnhemisphäre mit der Händigkeit assoziiert ist oder ob ein anderer Wirkmechanismus hierfür verantwortlich ist. Studien-Kohorten mit Linkshändern in Vergleich zu Studien-Kohorten mit Rechtshändern mit linksdominanter Symptom-Lateralität wären potentiell vielversprechend.

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