Stellenwert von Hausmitteln als Selbstbehandlungsmaßnahme am Beispiel von Zwiebelsäckchen bei akuten Ohrenschmerzen im Kindesalter (SHallOt)

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/121506
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1215068
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-62873
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2021-12-07
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Joos, Stefanie (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2021-10-18
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Hausmittel , Selbsttherapie , Kind , Mittelohrentzündung , Eltern , Hausarzt , Kinderarzt , Zwiebel
Freie Schlagwörter: Zwiebelsäckchen, Ohrenschmerzen
Onion wraps, earache
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Ohrenschmerzen im Kindesalter sind ein häufiger Beratungsanlass in Haus- und Kinderarztpraxen und häufig Leitsymptom einer akuten Otitis media (AOM). Da ca. 80% der AOM-Episoden spontan abheilen, kommt symptomatischen Maßnahmen eine bedeutsame Rolle zu. Unter den symptomatischen Maßnahmen haben Zwiebelsäckchen aus dem Bereich der Hausmittel eine weite Verbreitung. Experimentelle Studien zeigen eine antientzündliche Wirkung von Zwiebeln, klinische Studien fehlen allerdings bisher. Vor diesem Hintergrund waren die folgenden Forschungsfragen Gegenstand der SHallOt-Studie: Welche Haltungen haben Haus- und Kinderärzte sowie Eltern in Bezug auf die Anwendung von Hausmitteln im Allgemeinen? Woher stammt das Wissen über Hausmittel? Welchen Stellenwert hat das Hausmittel Zwiebelsäckchen bei akuten Ohrenschmerzen bei Kindern? Welche Erfahrungen haben Ärzte und Eltern bei der Anwendung von Zwiebelsäckchen gemacht? Welche Faktoren begünstigen eine Selbstbehandlung? Die explorative Mixed-Methods-Studie umfasste im qualitativen Teil Leitfadeninterviews mit n=8 Ärzten (Rücklaufquote 8%) und n=6 Eltern (Rücklaufquote 0,2%), die inhaltsanalytisch ausgewertet wurden. Darauf aufbauend wurde ein Fragebogen für Ärzte (n=276, Rücklaufquote 28,4%) und Eltern (n=83, Rücklaufquote nicht berechenbar) entwickelt. Die Ergebnisse zeigten, dass Hausmittel im Arzt- und Patientenalltag eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bei Erkältungskrankheiten: 91% (n=244) der Ärzte und 87% (n=72) der Eltern hielten Hausmittel für grundsätzlich sinnvoll. Den Aspekt der Zuwendung bewerteten 88% (n=237) der Ärzte und 78% (n=65) der Eltern hoch bis sehr hoch. Im Gegensatz zu Vorgängerstudien gaben die Ärzte an, Hausmittel regelmäßig zu empfehlen (3,3 ± 0,9, mv=12, Likert-Skala von 1 „nie“ bis 5 „sehr häufig“), 50% (n=132) der Ärzte gaben an, Zwiebelsäckchen aktiv zu empfehlen. 45% (n=37) der Eltern wendeten Zwiebelsäckchen an. Einen Informationsbedarf zu Hausmitteln hatten 61% (n=163) der Ärzte und 65% (n=54) der Eltern. In den Interviews wurde der psychologische Nutzen von Hausmitteln betont. Die Ergebnisse legen nahe, dass Hausmittel allgemein und Zwiebelsäckchen im Speziellen bei Ohrenschmerzen für die (Selbst-)Behandlung in der Primärversorgung von Bedeutung sind, wenngleich ein hoher Informationsbedarf auf Seiten der Behandler und Patienten besteht. Die Ergebnisse sind aufgrund des methodischen Ansatzes nicht generalisierbar, können jedoch als Grundlage für weitere Studien genutzt werden. In möglichen Folgestudien könnte der Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz, Hausmittelanwendung und Selbstwirksamkeit im Hinblick auf Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Antibiotikagebrauch untersucht werden.

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