Vergleich der Lebensqualität zwischen nierentransplantierten Patienten, Patienten an der Hämodialyse und Patienten mit Peritonealdialyse

DSpace Repository


Dateien:

URI: http://hdl.handle.net/10900/121102
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1211020
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-62469
Dokumentart: Dissertation
Date: 2021-11-30
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Schenk, Martin (PD Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-09-16
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Nierentransplantation , Lebensqualität , Peritonealdialyse , Hämodialyse , Niereninsuffizienz
Other Keywords: SF-36
SEIQoL
License: Publishing license excluding print on demand
Show full item record

Inhaltszusammenfassung:

Für die Therapie der terminalen Niereninsuffizienz stehen drei verschiedene Nierenersatzverfahren als Therapieoptionen zur Verfügung: die Hämodialyse, die Peritonealdialyse und die Nierentransplantation. Während die medizinischen Vor- und Nachteile, Indikationen und Kontraindikationen sowie Mortalitäts- und Morbiditätsraten in der Literatur hinreichend analysiert wurden, existieren für die mit den Verfahren einhergehenden Einschränkungen der Lebensqualität nur wenige vergleichende Studien. Die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Verfahren wird daher hauptsächlich durch rein medizinische Aspekte und die Expertise des jeweiligen Zentrums mit den NEV getroffen. Die Beeinflussung der LQ durch die Verfahren spielt eine eher untergeordnete Rolle. Um diesen Entscheidungsprozess im Sinne der Evidence-based medicine zu erweitern, wurden die drei NEV in dieser Studie bezüglich der LQ vergleichend gegenübergestellt. Dadurch sollten auch patientenspezifische Faktoren identifiziert werden, die sich möglicherweise in Kombination mit der Wahl eines bestimmten NEV positiv auf die LQ auswirken. Dazu wurden drei Studiengruppen mit jeweils 25 Patienten gebildet: die HD-, die PD- und die NTx-Gruppe. In einem Interview beantworteten die Patienten Fragen des Short Form Health Survey 36 - (SF-36) und des The Schedule for the Evaluation of Individual Aspects of Quality of Life (SEIQoL) Tests. Dadurch wurde zum einen die subjektive Einschätzung der eigenen körperlichen und psychischen Gesundheit der Patienten aufgenommen und zum anderen erfasst, in welchem Grad die Patienten für sie individuell wichtige Aspekte ihres Lebens trotz der Erkrankung erfüllen können bzw. wie weitreichend die persönlichen Einschränkungen sind. Zusätzlich wurden objektivierbare Einschränkungen wie Berufstätigkeit, Erwerbsminderung und der Grad der Behinderung erfragt, die Anzahl der vorangehenden und die Dauer des aktuellen NEV erfasst und anschließend vergleichend ausgewertet. Vorausgegangen war die Annahme, dass die körperliche und psychische Gesundheit sowie die Einschränkung des alltäglichen Lebens, wie in der WHO- und WHOQOL-Definition von health-related quality of life beschrieben, die LQ beeinflussen. Eine entsprechende Einschränkung sei daher als Testvariable für die verminderte LQ legitim. In der Auswertung des SF-36 Test wurde nachgewiesen, dass Patienten der NTx-Gruppe signifikant bessere Testergebnisse bezüglich der physischen Gesundheit aufwiesen als die beiden anderen Gruppen und die NTx demnach das überlegene Verfahren hinsichtlich des physischen Outcomes ist. Die psychische Gesundheit der drei Testgruppen wies keine Unterschiede auf. Die HD- und PD-Gruppe zeigten insgesamt keine signifikant unterschiedlichen Testergebnisse und werden daher als, die LQ betreffend, gleichwertige V erfahren angesehen. Der SEIQoL T est zeigte insgesamt keine signifikanten Unterschiede in der Erfüllung wichtiger Lebensbereiche zwischen den Gruppen. Lediglich in der Kategorie Gesundheit und Sport fanden sich Vorteile in der Erfüllung dieses Bereichs in der NTx- (und teilweise auch der PD-Gruppe) gegenüber der HD- Gruppe. Dieses Ergebnis bestätigte die im Grunde schon im SF-36 Test gefundenen physischen Vorteile der nierentransplantierten Patienten gegenüber insbesondere der HD- und zu geringem Anteil auch der PD-Gruppe. Das Alter der Patienten zeigte keine signifikante Korrelation mit den Testergebnissen. Lediglich ein graphischer Trend im Sinne einer negativen Korrelation, also der Abnahme der LQ mit steigendem Alter, wurde beobachtet. Eine klare Therapieempfehlung für eine Altersgruppe konnte daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Auch das Geschlecht der Patienten zeigte keine Auswirkungen auf die Testergebnisse. Daher können die drei NEV bezüglich der LQ für beide Geschlechter als gleichwertig angesehen werden. Bei der beruflichen Situation jedoch wurde nachgewiesen, dass NTx-Patienten im Vergleich zu den anderen Gruppen signifikant häufiger berufstätig und signifikant seltener erwerbsgemindert waren und seltener hochgradige Behinderungen vorlagen. Gleichzeitig zeigten berufstätige Patienten signifikant bessere Testergebnisse, woraus geschlussfolgert wurde, dass NTx- Patienten aufgrund der besseren Teilhabe am beruflichen Leben eine höhere LQ aufweisen. Dies wiederum liegt vermutlich an der schon zuvor beschriebenen besseren körperlichen Gesundheit der nierentransplantierten Patienten. Die PD zeigte erwartungsgemäß - als einziges zeitlich limitiertes Verfahren - die geringste Therapiedauer, während der NTx statistisch gesehen die meisten NEV vorangegangen waren. In dieser Studie konnten keine signifikanten Einflüsse der Therapiedauer und der Anzahl vorangehender NEV auf die LQ nachgewiesen werden. Auch die Art der Organspende (lebend vs. postmortal) hatte in unserem Patientenkollektiv keinen Einfluss auf die LQ der Patienten. Zusammenfassend kann die NTx also als das überlegene Verfahren hinsichtlich der LQ angesehen werden. Dieser Umstand gilt insbesondere aufgrund der besseren physischen Gesundheit und der Teilhabe am Berufsleben. Die HD und die PD sind die LQ betreffend gleichwertige Verfahren. Den Daten der Studie folgend wird berufstätigen Patienten sowie körperlich und sportlich aktiven Patienten eine NTx empfohlen, da gerade in diesen Punkten signifikante Vorteile vorliegen. Ferner weisen NTx-Patienten eine mit der gesunden Allgemeinbevölkerung vergleichbare LQ auf. Bezüglich der Anzahl der vorangehenden Verfahren und der Therapiedauer sowie der Art der Organspende empfiehlt sich die Kontrolle der Ergebnisse in nachfolgenden Studien mit nach Möglichkeit größeren Patientengruppen (multizentrische Studien) und teilweise auch anderem Studiendesign (Längsschnitt- statt Querschnittstudie) zur Kontrolle der Ergebnisse und Verbesserung deren Validität.

This item appears in the following Collection(s)