Validität individueller Belastungsvorgaben aus der laktatbasierten Leistungsdiagnostik im Hinblick auf das Laktatverhalten im Schwellentraining von Mittel- und Langstreckenläufern

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URI: http://hdl.handle.net/10900/120818
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1208183
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-62188
Dokumentart: Dissertation
Date: 2021-11-16
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Nieß, Andreas (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-10-14
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Lactate , Leistungsdiagnostik , Mittelstreckenläufer , Langstreckenläufer
Other Keywords: laktatbasierte Leistungsdiagnostik
Schwellentraining
Borg-Skala
subjektives Belastungsempfinden
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Inhaltszusammenfassung:

1. Einleitung und Fragestellungen Im Laufsport existieren seit Jahren lediglich laktatbasierte Tests zur sportmedizinischen Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung. Der Stellenwert der im Blutplasma ermittelten Laktatwerte wird jedoch gerade für Hochleistungssportler zunehmend kritisch diskutiert. Bereits unterschiedliche Studien weisen in diesen Leistungsbereichen auf eine große interindividuelle Variabilität in den Laktatkinetiken hin. In der vorliegenden Arbeit wurde versucht diese Variabilität, unter Berücksichtigung unterschiedlicher Wettkampfdistanzen (Mittel- vs. Langstreckenläufer), im Hinblick auf das Laktatverhalten im Schwellentraining dieser Athleten zu belegen. Konkret wurde dabei die Validität einer individuellen, gleichen relativen Belastungsintensitätsvorgabe anhand der laktatbasierten IAS im Rahmen einer submaximalen Dauerbelastung überprüft. Die zentrale Fragestellung bezog sich dabei auf die Ansteuerung einer interindividuell gleichen metabolischen Belastung, bzw. die Identifikation der Faktoren, die möglicherweise zu einer unterschiedlichen Belastungsreaktion der Athleten führen. 2. Material und Methoden Die Datenerhebung erfolgte mittels laufbandergometrischer Tests, denen 12 Mittelstreckler (M) und 9 Langstreckler (L) an jeweils zwei Untersuchungstagen unterzogen wurden. Untersuchungstag 1 beinhaltete eine allgemeine sportmedizinische Eingangsuntersuchung, einen laktatbasierten Mehrstufentest (MST) zur Bestimmung der Individuell Anaeroben Schwelle (IAS) und einen Rampentest (RT) mit Spiroergometrie zur Erfassung der respiratorischen Schwellenwerte (AT und VO2max.). Untersuchungstag 2 wurde min. 3 bis max. 10 Tage später durchgeführt. Die Probanden erhielten zunächst ein standardisiertes Frühstück. Anschließend erfolgte ein Dauertest (DT) mit 30 min. Tempodauerlauf (TDL) mit individuell gleicher relativer Belastungsintensität (Laufgeschwindigkeit von 105% der IAS). Zu vordefinierten Zeitpunkten (ZP) erfolgten kapilläre Blutabnahmen zur Bestimmung der Plasma-Laktatwerte und peripher-venöse Blutabnahmen für eine allgemeine Blutbildanalyse und spezielle Metabolomics-Messungen (Gegenstand weiterführender Arbeiten). Zudem wurde die subjektive Belastungsempfindung mittels Borg-Skala erhoben. 3. Ergebnisse Im DT war beim Verlauf der absoluten Laktatkinetiken des gesamten Probandenkollektivs zunächst die große Streuung der Laktatwerte vor allem zu ZP 3 (Ende TDL) über gut 4,5 mmol/l auffallend. Daraus resultierte retrospektiv die Differenzierung des Probandenkollektivs in eine hoch- und niedrig-Laktat-Gruppe, wobei der Cut-off-Wert bei 4,5 mmol/l gewählt wurde. In den leistungsdiagnostischen- und spiroergometrischen Befunden aus MST und RT ergaben sich bei der hoch- und niedrig-Laktat-Gruppe ähnliche Messwerte ohne signifikante Unterschiede in der IAS-Laufgeschwindigkeit oder der VO2-Werte und somit kein prädiktiver Wert für das oben genannte individuell variable Laktatverhalten im DT. Hingegen die durchschnittlichen Herzfrequenzen (HF) im TDL im Verhältnis zur HF-IAS zeigten einen signifikant nachweisbaren Zusammenhang zu den Differenz-Laktatwerten des gesamten Probandenkollektivs zu ZP 3. Und auch alle drei Borg-Qualitäten korrelierten zu den entsprechenden Erhebungszeitpunkten signifikant mit den Differenz-Laktatwerten des gesamten Probandenkollektivs. Wie zu erwarten wurde bei der Differenzierung des Probandenkollektivs in eine hoch- und eine niedrig-Laktat-Gruppe der TDL von der hoch-Laktat-Gruppe in allen drei Borg-Qualitäten signifikant anstrengender empfunden als von der niedrig-Laktat-Gruppe und auch die durchschnittlichen und relativen Herzfrequenzen waren bei der hoch-Laktat-Gruppe signifikant höher als bei niedrig-Laktat-Gruppe. Bei der Differenzierung des Probandenkollektivs in M und L lieferten lediglich die L in allen erhobenen Borg-Qualitäten in Abhängigkeit der Differenz-Laktatwerte zu ZP 3 im TDL signifikante Zusammenhänge, wobei die Korrelationsgeraden der L jeweils steiler verliefen als die der M. 4. Diskussion / Schlussfolgerung Im leicht überschwelligen TDL mit gleicher relativer Belastungsintensität zeigte sich ein ähnliches Laktatverhalten bei M und L und damit keine durch die bestrittene Hauptwettkampfstrecke oder durch leistungsdiagnostische Vorbefunde erklärbare Variabilität. Auch die auffallend hohe Streubreite der absoluten Laktatkinetiken im TDL zeigte keinen Bezug zur Hauptwettkampfstrecke (M vs. L) und auch die weiteren leistungsdiagnostischen- und spiroergometrischen Befunde aus MST und RT (IAS-Laufgeschwindigkeiten, VO2-Werte) konnten das individuelle Verhalten der Laktatverläufe nicht erklären. Das individuelle Herzfrequenzverhalten und die subjektive Belastungsempfindung hingegen wiesen signifikante Zusammenhänge zu dieser Variabilität auf. Die alleinige Orientierung an einer fixen Prozentzahl der IAS kann somit zu einer – bei Betrachtung des Laktatverhaltens – individuell inkorrekten Belastungsvorgabe führen, weshalb die Validität einer ausschließlich laktatbasierten Intensitätsvorgabe im Schwellentraining von M und L in Frage zu stellen ist. Es sollte daher stets ein Intensitätsbereich angegeben werden, der mittels subjektivem Belastungsempfinden und HF-Kontrolle vom Athleten selbst („self-paced“) nachjustiert werden kann. Bei Betrachtung der Borg-Skala-Erhebung in Abhängigkeit der Differenz-Laktatwerte im TDL sind außerdem die steiler verlaufenden Regressionsgeraden der L im Vergleich zu den M auffallend. Steigende Laktatwerte scheinen bei den L direkten Einfluss auf deren subjektives Belastungsempfinden zu haben. Die M hingegen scheinen hohe Laktatwerte eher „gewohnt“ zu sein, was eine bessere Laktat-Toleranz der M vermuten lässt, bzw. möglicherweise der Plasma-Laktatwert bei den M an Zuverlässigkeit als Parameter der Belastungsintensität und Belastungsempfindung verliert.

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