Einfluss von Hypnotherapie und Kognitiver Verhaltenstherapie bei leichter und mittelschwerer Depression auf die Hypnotisierbarkeit und Herzratenvariabilität

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URI: http://hdl.handle.net/10900/114344
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1143449
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-55719
Dokumentart: Dissertation
Date: 2021-04-20
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Batra, Anil (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-03-18
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Depression , Kognitive Verhaltenstherapie , Hypnotherapie
Other Keywords: Herzratenvariabilität
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Inhaltszusammenfassung:

Die Depression gilt als Volkskrankheit, die bei Betroffenen zu einer erheblichen Reduktion der Lebensqualität führt. Mehrere Studien konnten zudem zeigen, dass bei Depressionspatienten häufig komorbid vegetative Veränderungen vorliegen und bei ihnen vermutlich deshalb auch eine erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit besteht. Bis dato zugelassene Therapien zeigen nicht bei jedem Patienten den gewünschten Behandlungserfolg, weshalb weitere Forschung zur Effizienzsteigerung der Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen nötig ist. Als mögliche Erweiterung der Behandlungsoptionen gilt die Anwendung der Hypnotherapie. Bisherige Studien zur Hypnotherapie deuten darauf hin, dass ein bedeutsamer Einflussfaktor auf den Behandlungserfolg der HDT die individuell ausgeprägte Hypnotisierbarkeit zu sein scheint. Im Rahmen einer Studie zur Wirksamkeit der Hypnotherapie (HDT) im Vergleich mit einer etablierten Therapieform, der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), wurden daher in der vorliegenden Arbeit zum einen - mit Blick auf die erwähnte erhöhte kardiovaskuläre Sterblichkeit - die Auswirkung der Psychotherapie auf die Herzratenvariabilität (HRV) untersucht und zum anderen die Auswirkungen beider Therapieformen auf die Hypnotisierbarkeit untersucht. Dabei wurde erwartet, dass sich beide Therapieformen gleich stark auf die HRV und Hypnotisierbarkeit auswirken können. Rekrutiert und in die Studie eingeschlossen wurden Patienten, die die Kriterien einer leichten und mittelgradigen Depression nach DSM 5 erfüllten. Vor Therapiebeginn wurde an den Studienteilnehmern eine Messung der Herzrate (RR-Intervalle) mit einem kabellosen Pulsmessgerät (Firma Polar Electro) während einer Ruhephase, einer Entspannungsinduktion sowie einer Hypnotischen Instruktion (Deutsche Version der Harvard Group Scale of Hypnotic Suscepitbility Form A (HGSHS)) durchgeführt und mit einem der HGSHS zugehörigen Fragebogen die Hypnotisierbarkeit gemessen. Nach der Messung zum Startzeitpunkt t1 wurden die Probanden randomisiert zwei verschiedenen Behandlungsgruppen zugeteilt und einer 20- bis maximal 24-wöchigen ambulanten Behandlung mit KVT oder HDT zugewiesen. Nach Abschluss der ambulanten Therapie wurde die Messung der HRV und Hypnotisierbarkeit zum Messzeitpunkt t2 wiederholt. Die Subpopulation der vorliegenden Teilstudie umfasste N=13 Patienten, die HDT erhielten, sowie N=15 Patienten, die der KVT-Gruppe zugeteilt worden waren. Beide Therapieformen führten gemessen an der Standardabweichung aller RR-Intervalle im Messzeitbereich (SDNN) zu einem signifikanten Anstieg der Gesamtvariabilität. Ebenso ließ sich ein signifikanter Anstieg der Quadratwurzel des Mittelwertes der Quadrate aller Differenzen (RMSSD) zwischen aufeinanderfolgenden RR-Intervallen, die die parasympathische Aktivität ausdrückt, sowohl bei Probanden der HDT, als auch bei den Probanden der KVT beobachten. Beide Therapieformen unterschieden sich dabei in ihrer Auswirkung nicht signifikant voneinander. Für die High frequency power (HF) mit dem Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,4 bis 0,15 Hz, die ebenfalls die parasympathische Aktivität ausdrückt, ergaben sich keine signifikanten Änderungen. Die Ergebnisse der HF stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen der RMSSD und könnten durch methodische Fehler im Studienaufbau hervorgerufen worden sein. Auf die Veränderung der Herzrate sowie auf den HRV-Parameter LF, der Low frequency power mit Leistungsdichtespektrum im Frequenzbereich von 0,15 bis 0,04 Hz, der die sympathische Aktivität ausdrückt, wirkten sich beide Therapieformen nicht signifikant aus. Auf die HRV-Parameter während der Ruhephase, der Entspannungsinduktion, sowie während der HSGHS-Items H02, H03 und H10 wirkten sich beide Therapieformen gleichartig aus. Während des HGSHS-Items H06, dessen Inhalt die Armrigidität war, ergaben sich im Verlauf der Therapie signifikant gegensätzliche Auswirkungen auf die parasympathische Aktivität: Die HDT führte zu einer Zunahme, die KVT zu einer Abnahme der parasympathischen Aktivität. Die Hypnotisierbarkeit scheint sich weder durch die KVT noch durch die HDT relevant steigern zu lassen. Für niedrig-hypnotisierbare Patienten scheint sich somit weder die HDT noch die KVT zu eignen, die Hypnotisierbarkeit signifikant zu steigern und damit einen wesentlichen Einflussfaktor für eine erfolgreiche Behandlung mit HDT positiv zu beeinflussen. Mit der signifikanten Zunahme der HRV konnte für beide Therapieformen eine positive Beeinflussung der vegetativen Veränderungen bei Depressiven belegt werden. Auf Grundlage der hier gefundenen Ergebnisse scheinen sich beide Therapieformen diesbezüglich in ihrer Wirksamkeit nicht zu unterscheiden. Wie stark die gefundene Zunahme der HRV auch mit einer Verbesserung der depressiven Symptomatik korreliert ist, bleibt jedoch unklar. Zur Klärung dieses Zusammenhangs ist weitere Forschung nötig, um auch diesbezüglich von einer gleichen Wirksamkeit ausgehen zu können. Auch sollten weitere Untersuchungen klären, wie hoch eine Hypnotisierbarkeit zu Therapiebeginn sein muss, um von einer HDT profitieren zu können.

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