Bedarfsermittlung und Effizienzbewertung einer standardisierten Ernährungs- sowie Diabeteserfassung inklusive Implementierung eines strukturierten Ernährungsmanagements an dem Universitätsklinikum Tübingen

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URI: http://hdl.handle.net/10900/113600
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1136006
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-54976
Dokumentart: Dissertation
Date: 2021-03-25
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Rosenberger, Peter (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-02-16
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund: Die Kenntnis über den Diabetes- bzw. Mangelernährungsstatus spielt angesichts der hohen Prävalenzen und zunehmenden Inzidenzen, durch die stetig älter und multimorbider werdende Bevölkerung, eine wichtige Rolle bei der Behandlung von stationären Patienten. Beide Krankheitsbilder führen zu mitunter schwerwiegenden Komplikationen und beeinflussen das Patienten-Outcome sowie den Behandlungsverlauf. Zu einer frühzeitigen Risiko-Detektion können bei stationärer Aufnahme durchgeführte standardisierte Screeningverfahren beitragen. Die Fragestellung dieser Arbeit bestand aus der Prüfung der Realisierbarkeit solcher Screeningmethoden, der Erhebung stationärer Prävalenzen von Diabetes mellitus und Mangelernährung sowie der Bewertung des Einflusses auf die klinisch und ökonomisch relevanten Faktoren Verweildauer und Häufigkeit von Komplikationen in einem deutschen Krankenhaus der Maximalversorgung. Eine weitere Fragestellung der Arbeit war es, den Einfluss eines in die klinische Routine eingebundenen standardisierten Ernährungsmanagements zu evaluieren. Methoden: Screening-Methoden wurden bestimmt und etabliert. Zur Diabetes-Erfassung wurde über einen Zeitraum von 4 Wochen bei allen stationären Erwachsenen, bei denen eine EDTA-Blutprobe nach Blutabnahme verfügbar war, der HbA1c Wert bestimmt. Für die Bestimmung des Ernährungszustandes wurde der NRS-2002 in die Pflegeanamnese integriert. Zu den Screeningergebnissen wurden die Abrechnungsdaten der Studienkollektive hinzugefügt und Einflüsse mittels uni- und multivariater statistischer Methoden ausgewertet. Auswirkungen der erfolgten Ernährungstherapie wurden durch einen retrospektiven Abgleich mit Vergleichsdaten bewertet. Ergebnisse: Das Diabetes-Screening ergab, dass bei 22,68 % (884 von 3.733) der Patienten Prädiabetes und bei 22,15 % (827 von 3.733) Diabetes prävalent ist. Zwischen den Fachdisziplinen besteht eine hohe Streubreite (Range: 5 % Frauenheilkunde bis 43 % Intensivmedizin). Die Rate an nicht diagnostiziertem Diabetes liegt bei 3,67 %. In der Universitätsklinik für Radioonkologie haben 40,95 % (344 von 840) der Patienten ein erhöhtes Mangelernährungsrisiko. Sowohl der Diabetes mellitus als auch die Mangelernährung konnten als signifikante, unabhängige Risikofaktoren für einen längeren Krankenhausaufenthalt sowie für das Auftreten von Komplikationen nachgewiesen werden. 335 (39,88 %) radioonkologische Patientenerhielten eine supplementäre individuelle Ernährungstherapie, die dazu führte, dass bei Patienten mit stationärer Wiederaufnahme im weiteren Verlauf sowohl die Verweildauer als auch die Komplikationsrate an Normwerte angeglichen werden konnte. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen auf, dass sich standardisierte Screening-Maßnahmen mit vertretbarem Mehraufwand in den Klinikalltag implementieren lassen. Die hohen Prävalenzen und Raten an vorher unbekannten Diabetikern bzw. Mangelernährten sowie der signifikant negative Einfluss beider Erkrankungen auf den Behandlungserfolg unterstreichen den Bedarf einer frühzeitigen Detektionsmöglichkeit mit anschließender spezialisierter Therapie. Ein nach den Leitlinien arbeitendes Ernährungsteam beeinflusst die Therapiefähigkeit positiv und sollte zumindest in sämtlichen onkologischen Fachdisziplinen standardmäßig etabliert werden.

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