Verarbeitung und mentale Repräsentation von Idiomen im Erwachsenen- und Kindesalter

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URI: http://hdl.handle.net/10900/113237
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1132378
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-54613
Dokumentart: Dissertation
Date: 2023-01-28
Source: Kessler, R., Weber, A. & Friedrich, C. K. (2020). Activation of literal word meanings in idioms: Evidence from eye-tracking and ERP experiments. Language and Speech, 0023830920943625.
Language: German
English
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Psychologie
Advisor: Friedrich, Claudia K. (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-01-29
DDC Classifikation: 150 - Psychology
400 - Language and Linguistics
Keywords: Psycholinguistik , Sprachverarbeitung , , Spracherwerb
Other Keywords: Erstspracherwerb
Sprachverarbeitung
Mehrworteinheiten
EEG
Eye-Tracking
Idiome
Idioms
first language acquisition
language processing
multi-word expressions
EEG
Eye-Tracking
License: Publishing license including print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

 
Dissertation ist gesperrt bis 28.01.2023 !!
 
Die vorliegende Dissertation untersucht Verarbeitungsmechanismen von Idiomen (z.B. die Katze aus dem Sack lassen) als Exemplar für feststehende Mehrworteinheiten (MWE) bei erwachsenen Muttersprachler:innen und sprachlernenden Kindern. Idiome sind konventionalisierte Redewendungen mit einer figurativen Phrasen-Bedeutung. Die vorliegende Dissertation befasst sich mit den Fragen, wie Idiome im mentalen Lexikon repräsentiert werden und wie sich diese Repräsentation mit zunehmendem Alter verändert. Sowohl für den Erwerb als auch die Repräsentation im Erwachsenenalter wird angenommen, dass MWE als Mehrwort-Repräsentationen im mentalen Lexikon abgespeichert sind. Erwachsene wie auch Kinder verarbeiten häufige und bekannte MWE schneller als Nicht-MWE. Erwachsene Muttersprachler:innen sind ebenfalls sensitiv gegenüber der Mehrwort-Konfiguration und können einzelne Wörter innerhalb dieser vorhersagen. Entsprechende Befunde fehlen bislang für Kinder. Daher wurde in den Studien I, II und III untersucht, ob Kinder und Erwachsene idiom-finale Wörter anhand von Idiomfragmenten vorhersagen können (z.B. das Wort Sack anhand des Idiomfragmentes Hannes ließ die Katze aus dem...). Da Einzelwort-Bestandteile innerhalb von MWE nicht notwendig für das Verstehen der Phrasen-Bedeutung sind, spielt es eine Rolle, ob diese dennoch analysiert werden. Hinsichtlich dieser Fragestellung gibt es widersprüchliche Befunde für Erwachsene. Studie I knüpft daran an und untersucht unter welchen Bedingungen Einzelwort-Bedeutungen innerhalb von Idiomen aktiviert werden. Bisher liegen diesbezüglich keine empirischen Befunde für Kinder vor, deshalb untersuchten Studie II und III, ob Kinder Einzelwort-Bedeutungen innerhalb von Idiomen aktivieren. Dieses wurde anhand von Verarbeitungsunterschieden zwischen Wörtern gemessen, die entweder semantisch relatiert (Korb) oder unrelatierten (Bauch) zu dem erwarteten Wort innerhalb des Idiomfragmentes waren (Sack in Hannes ließ die Katze aus dem...). Die Fragestellungen wurden anhand eines semantischen Erwartungsparadigmas in Eye-Tracking- und EKP-Experimenten gemessen. Die empirischen Ergebnisse der Studien I, II und III zeigen, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene idiom-finale Wörter vorhersagen. Daraus kann man schlussfolgern, dass Idiome bereits früh im Erwerb als Mehrwort-Repräsentation im mentalen Lexikon abgespeichert werden. Dennoch scheinen Erwachsene idiom-finale Wörter zeitlich früher vorherzusagen als Kinder. Sowohl Erwachsene als auch Kinder aktivieren die Einzelwort-Bedeutungen innerhalb von Idiomen. Jedoch erscheint diese Aktivierung für die jeweiligen Altersgruppen zeitlich unterschiedlich während der Sprachverarbeitung zu erfolgen. Erwachsene Muttersprachler:innen zeigen eine frühe Aktivierung der Einzelwort-Bedeutung, die auf eine automatische Bedeutungsaktivierung hindeutet. Im Gegensatz dazu tritt der Effekt bei Kindern zeitlich später auf. Dies könnte darauf hindeuten, dass die mentale Repräsentation von Idiomen noch nicht sehr stark ist. Die Vermutung wird aufgestellt, dass die Unterschiede zwischen den Altersgruppen durch eine Stärkung Mehrwort-Repräsentation im mentalen Lexikon erklärt werden können. Die Stärkung der Repräsentation könnte daher resultieren, dass Kinder mit zunehmendem Alter entsprechende Ausdrücke häufiger erfahren.
 

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