Einfluss der Aufmerksamkeit auf die ipsilaterale Adaptation von Distorsionsprodukt-otoakustischen Emissionen durch mediale olivocochleäre Efferenzen

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URI: http://hdl.handle.net/10900/101144
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1011448
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-42524
Dokumentart: Dissertation
Date: 2020-06-03
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Gummer, Anthony W. (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2020-04-24
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Aufmerksamkeit , Cochlea , Hören , Mittelohr
Other Keywords: Otoakustische Emissionen
Distorsionsprodukt-otoakustische Emissionen
MOC-Reflex
DPOAE
attention
adaption
OAE
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Die Ergebnisse der Untersuchungen des Einflusses von Aufmerksamkeit auf den MOC-Reflex mittels DPOAE in der Literatur sind bisher unbefriedigend und widersprüchlich. Ein Grund dafür ist die bei den kontinuierlichen DPOAE auftretende Interferenz der nichtlinearen und kohärent reflektierten Distorsionskomponente und der daraus resultierenden Messungenauigkeit. So zeigten Messungen des MOC-Reflexes mit kontinuierlichen DPOAE gehäuft exzitatorische Effekte, obwohl dieser inhibitorisch wirkt (Wagner und Heyd, 2011). Ein weiteres Problem in den Studien zum Einfluss von Aufmerksamkeit auf den MOC-Reflex stellt die Kontrolle der Aufmerksamkeit sowie die Abgrenzung des Aufmerksamkeitseinflusses von anderen Einflüssen dar. Darauf aufbauend wurden in dieser Studie an 12 Probanden erstmals neben kontinuierlichen DPOAE auch Kurzpuls-DPOAE verwendet, bei denen durch die kurzgepulsten f_2-Stimulustöne eine zeitliche Trennung der DPOAE-Komponenten und folglich eine Extraktion der nichtlinearen Distorsionskomponente möglich ist. Zur Objektivierung der Aufmerksamkeitseinflüsse wurde ein Cueingparadigma verwendet und zusätzlich zu den etablierten Gabor-Patches auch erstmals Labyrinthe als visueller Stimulus eingesetzt. Zur Untersuchung unterschiedlicher Aspekte des Einflusses von Aufmerksamkeit auf den DPOAE-Pegel wurden zwei verschiedene Paradigmen 1p und 2p durchgeführt. In 1p wurde der Einfluss von Aufmerksamkeit auf den Gleichgewichtszustand des DPOAE-Pegels gemessen und in 2p der Einfluss auf die DPOAE-Pegeladaptation. Zusätzlich wurden Messungen ohne Aufmerksamkeitstests analog des Ablaufs von 1p durchgeführt, um allgemeine Unterschiede der DPOAE-Pegeladaptation zwischen kontinuierlichen und Kurzpuls-DPOAE zu betrachten sowie als Referenz zum Vergleich zu 1p und 2p. Jedes Paradigma bestand aus 100 pseudorandomisiert angeordneten Wiederholungen der visuellen Stimuli und wurde pro Proband jeweils mit zwei verschiedenen Frequenzen 1,5 ≤ f_2a ≤ 3,0 kHz und 3,0 ≤ f_2b ≤ 4,5 kHz durchgeführt. Es wurden nur DPOAE-Messungen mit einem SNR > 10 dB und einer DPOAE-Akzeptanzrate von 100% in die Auswertungen eingeschlossen. In der Auswertung konnte sowohl für die Messungen mit Kurzpuls-DPOAE als auch mit kontinuierlichen DPOAE über alle Paradigmen hinweg der ipsilaterale MOC-Reflex als DPOAE-Pegeladaptation gemessen werden. In den Referenzmessungen ergab dies in den erstellten Ausgleichsrechnungen der DPOAE-Pegeladaptation für die Gruppenauswertungen eine Magnitude von 0,42 dB mit Kurzpuls-DPOAE und 0,60 dB mit kontinuierlichen DPOAE. In den Ausgleichsrechnungen der einzelnen Probanden mit Kurzpuls-DPOAE zeigten sich ebenfalls ausschließlich inhibitorische Effekte des MOC-Reflexes, während sich bei den kontinuierlichen DPOAE auch ein exzitatorischer Effekt des MOC-Reflexes ergab. Über alle Paradigmen hinweg zeigte sich ein signifikant niedrigerer SNR und eine höhere Ausschlussrate an Messreihen mit dementsprechend größerer Variation des DPOAE-Pegels für die Kurzpuls-DPOAE im Vergleich zu den kontinuierlichen DPOAE. Im Paradigma 1p zeigten sich signifikante DPOAE-Pegeländerungen unter dem Einfluss von Aufmerksamkeit für die kontinuierlichen DPOAE unabhängig vom visuellen Stimulus oder der verwendeten f_2-Stimulusfrequenz, jedoch nicht bei den Kurzpuls-DPOAE. Dieselben signifikanten DPOAE-Pegeländerungen der kontinuierlichen DPOAE zeigten sich allerdings auch in den Referenzmessungen. Wie bei der von Wittekindt u. a., (2014) beschriebenen DPOAE-Pegeländerung um 0,2 dB handelt es sich in der vorliegenden Arbeit ebenfalls um eine Abnahme des DPOAE-Pegels, jedoch ist diese mit im Durchschnitt ~0,02 dB circa um den Faktor 10 schwächer. Im Paradigma 2p ließen sich keine signifikanten Unterschiede der Kurzpuls-DPOAE-Pegeladaptation zwischen Aufmerksamkeit und Nicht-Aufmerksamkeit feststellen. Diese Ergebnisse decken sich mit vorangegangenen Studien, die ebenfalls keine Unterschiede feststellten (Smith u. a., 2012; Srinivasan u. a., 2012). Die signifikanten DPOAE-Pegeländerungen bei den kontinuierlichen DPOAE sowohl in den Referenzmessungen als auch in den 1p lassen Zweifel aufkommen, ob diese tatsächlich auf Aufmerksamkeit zurückzuführen sind, und es stellt sich die Frage, ob es sich dabei nicht möglicherweise um Interferenzen der beiden DPOAE-Komponenten handelt. Weitere Untersuchungen mit Kurzpuls-DPOAE sollten deshalb angestrebt werden.

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