Krisenpolitik und Kapitalfraktionen. Deutschland, Frankreich und die Unternehmerverbände in der Krise der EU

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URI: http://hdl.handle.net/10900/100380
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1003801
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-41760
Dokumentart: Dissertation
Date: 2020-05-08
Language: German
Faculty: 6 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Department: Politikwissenschaft
Advisor: Bieling, Hans-Jürgen (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2020-02-26
DDC Classifikation: 300 - Social sciences, sociology and anthropology
320 - Political science
330 - Economics
940 - History of Europe
943 - Central Europe; Germany
Keywords: Politische Ökonomie , Europäische Union , Frankreich , Deutschland , Krise , Euro <Währung> , Wirtschaft , Kapital , Sparpolitik , Geldpolitik , Europäische Zentralbank , Staatslehre , Integrationstheorie , Kapitalismus , Geschichte , Wirtschaftstheorie , Lobbyismus , Interessenpolitik , Interessenverband , Unternehmerverband , Wirtschaftsverband
Other Keywords: Kapitalfraktion
kritische Politische Ökonomie
Zeitgeschichte
European Union
France
Political economy
Germany
Crisis
Euro
Capital
Economy
business association
lobbyism
contemporary history
European Central Bank
state theory
fractions of capital
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Inhaltszusammenfassung:

Im Verlauf der Krise, die seit dem Jahr 2009/10 die Europäische Union (EU) sowie die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) erfasst hatte, und der Krisenbearbeitungspolitik durchlief die EU in mehrfacher Hinsicht eine strukturelle Transformation. Dies betrifft europäische Institutionen wie z.B. die Europäische Zentralbank; es betrifft auch die sozioökonomische Verfasstheit der Mitgliedsstaaten; und es betrifft die Verhältnisse zwischen den Mitgliedsstaaten der EU und WWU. Insbesondere das Verhältnis zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland ist für den Prozess der europäischen Integration seit den 1950er Jahren stets von entscheidender Bedeutung gewesen. Die Dissertation bearbeitet die strukturellen Veränderungen, die seit Beginn der Krise in der EU zu beobachten sind, anhand von zwei Leitfragen: Erstens fragt sie danach, ob die Kräfteverhältnisse zwischen Deutschland und Frankreich sich im Verlauf der Krise verändert haben und ob von einer deutschen Führungsrolle in der EU gesprochen werden kann. Zweitens fragt sie nach den Strategien Deutschlands und Frankreichs im Krisenmanagement und inwieweit diese durch die Interessen, Präferenzen und das strategische Handeln der verschiedenen Kapitalfraktionen in den beiden Ländern geprägt waren. Die Arbeit wählt einen kapitalismustheoretischen Zugang, der ein in der kritischen Kapitalismustheorie fundiertes Verständnis von Kapital und kapitalistischer Entwicklung zugrunde legt und mit den staatstheoretischen Arbeiten von Nicos Poulantzas, den konzeptionellen Überlegungen der „Konstanzer Schule“ zur interdependenten Entwicklung des französischen und deutschen Kapitalismusmodells sowie denen Kees van der Pijls zur Formierung von Kapitalfraktionen zu politischen Subjekten kombiniert. Mithilfe dieses integrierten konzeptionellen Ansatzes werden die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen sowie des deutschen und des französischen Kapitalismusmodells analysiert. Es folgt eine Analyse der Europa- und Krisenpolitik der deutschen und französischen Unternehmerverbände anhand von drei zentralen Feldern der Krisenpolitik (zur Politik der EZB, der Politik der Troika in Griechenland und den Reformen der europäischen economic governance). Schließlich wird auf dieser Grundlage die strategische Positionierung der verschiedenen Kapitalfraktionen in beiden Ländern analysiert. Indem die Frage der Kapitalfraktionen als treibenden Kräften des Krisenmanagements und Integrationsprozesses nicht auf der transnationalen Ebene, sondern mit Blick auf die beiden führenden Nationalstaaten bearbeitet wird, nimmt die Arbeit eine neue Perspektive ein und versucht, eine Forschungslücke zu schließen. These der Arbeit ist zum einen, dass die Krisenpolitik der beiden untersuchten Staaten und auch die der EU und WWU in hohem Maße durch Strategien der Kapitalfraktionen bestimmt war und dass diese wiederum stark durch die Wirtschafts- und Sozialstruktur sowie weltwirtschaftliche Einbindung des Nationalstaats geprägt waren. Zum anderen wird argumentiert, dass die Interessen der deutschen Unternehmen sich gegenüber den französischen im Krisenmanagement tendenziell durchgesetzt haben.

Abstract:

In the course of the crisis that affected the European Union (EU) and the European Economic and Monetary Union (EMU) since 2009/10 and the crisis management policy, the EU underwent a structural transformation in several respects. This is the case for European institutions such as the European Central Bank; it is also the case for the socio-economic constitution of the member states; and finally for the relationship between the EU member states and EMU. In particular, the relationship between France and the Federal Republic of Germany has always been crucial to the process of European integration since the 1950s. The dissertation examines the structural changes that have been observed in the EU since the beginning of the crisis by means of two guiding questions: Firstly, it asks whether the balance of power between Germany and France has changed during the crisis and whether one can speak of a German leadership role in the EU. Secondly, it analyzes the strategies of Germany and France in crisis management and to what extent these were shaped by the interests, preferences and strategic actions of the different fractions of capital in the two countries. This dissertation is based on a concept of capital and capitalist development rooted in a critical approach to capitalism theory which it combines with the state-theoretical works of Nicos Poulantzas, the conceptual considerations of the "Konstanz School" on the interdependent development of the French and German model of capitalism, and those of Kees van der Pijl on the formation of fractions of capital into political subjects. With the help of this integrated conceptual approach, the development of Franco-German relations as well as of the German and French models of capitalism is analyzed. This is followed by an analysis of the crisis policies and policy of European integration of the German and French business associations concerning three crucial fields of crisis policy (the policy of the ECB, the policy of the troika in Greece and the reforms of European economic governance). Finally, the strategic positioning of the different fractions of capital in both countries is analyzed on this basis. By addressing the question of fractions of capital as driving forces of the crisis management and integration process not on the transnational level but with a view to the two leading nation states, the work takes a new perspective and attempts to close a research gap. The thesis is, on the one hand, that the crisis policies of the two states under study, as well as those of the EU and EMU, were largely determined by strategies of fractions of capital and that these in turn were strongly influenced by the economic and social structure of the nation state and its mode of integration into the world market. On the other hand, it is argued that the interests of German companies tended to prevail over French ones in crisis management.

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